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US-Streamingdienste im Fokus: Teil 1 – Peacock

Vor ein paar Monaten haben wir euch die wohl drei meist-erwarteten Streaming-Anbieter vorgestellt: Peacock, HBO Max und Paramount+. Während bei zweien bereits der Deutschlandstart bevorsteht, hält sich der dritte noch bedeckt. Aber wie erfolgreich sind diese drei Streamingdienste im Heimatland USA?

Wir haben uns dazu entschieden, jedem Streaminganbieter einen eigenen Artikel zu spendieren, weil es sonst den Rahmen sprengen würde. In diesem Beitrag werden wir uns daher auf Peacock konzentrieren.

Streamingservice mit Startschwierigkeiten

Von den drei Diensten ist Peacock der mit Abstand schwächste, gemessen an den Abonnentenzahlen. Nur 21,5 Mio. aktive Abonnenten nutzen den Dienst von NBC, welches zum IT-Giganten Comcast gehört. Zum Vergleich: Apple TV+ wird schätzungsweise von rund 40 Mio. Nutzern genutzt. Bei einem Großteil der Nutzer sind die Premium-Versionen zudem Teil des Comcast-Internetvertrags; ein weiterer Teil nutzt die kostenlose, werbefinanzierte Free-Variante. Es geben also nur wenige Serienfans Geld für Peacock aus. Erst diese Woche wurde zum Beispiel bekannt, dass Peacock mit jedem Nutzer 8 $ verliert. Allein im letzten Quartal hat der Streamingservice 520 Mio. Dollar Verlust eingefahren, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Wo sind die Eigenproduktionen?

Analysten schieben die Schwäche auf den Mangel an schlagkräftigen Eigenserien. Während Paramount+ auf Star Trek, Drag Race und Co. zurückgreifen kann und HBO Max das Zuhause der HBO-Serien ist, fehlen Peacock solche Serien. Die derzeit erfolgreichste Serie ist Dr. Death, andere Eigenserien sind die Sitcom Rutherford Falls, die Musical-Comedy Girls5eva und das Mysterydrama The Lost Symbol, welches ein Prequel zur The Da Vinci Code-Filmreihe darstellt. All diese Serien haben es allerdings nicht geschafft, Hype zu generieren. Von einem Friends oder The Office sind diese Serien weit, weit entfernt.

Mit Poker Face – mit Natasha Lyonne (Orange is the New Black) in der Hauptrolle und Rian Johnson (Star Wars: The Last Jedi) als Produzenten – und dem Bel-Air-Reboot hat Peacock aber immerhin zwei Serien in der Mache, die hoffentlich größeren Erfolg haben werden als The Lost Symbol.

In naher Zukunft wird es der Dienst aber noch schwer haben: Die Corona-Pandemie hat zu zahlreichen Verzögerungen bei den Eigenproduktionen geführt. Auch mit der Exklusiv-Übertragung der Olympischen Spiele in Tokio hat sich Peacock keinen Gefallen getan. Eigentlich sollte der Launch der Plattform mit den Spielen im letzten Jahr zusammenfallen. Daraus wurde bekanntlich nichts, schließlich mussten die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben wurden. Comcast gab im Quartalsbericht aber zu, dass die Übertragungen 1,8 Mrd. Dollar an Werbeerlöse eingebracht haben. Fans ärgerten sich dagegen über die miese Berichterstattung auf Peacock und ließen ihren Frust in den sozialen Medien freien Lauf. Neue Fans dürfte man so sicherlich nicht gewonnen haben.

Peacock startet demnächst in Deutschland

Der Mangel an zugkräftigen Eigenproduktionen hält Peacock aber nicht davon ab, nach Europa zu expandieren. Noch dieses Jahr soll der Dienst u. a. in Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich starten. Im Frühjahr 2022 sollen weitere Länder folgen. In Deutschland wird Peacock Teil von Sky Ticket sein (Sky gehört ebenfalls zu Comcast). Ob der Dienst auch ohne Sky-Abo nutzbar sein wird, ist noch nicht bekannt.

Kurios ist zudem der Weg, den Peacock in Osteuropa und Skandinavien einschlägt. Zusammen mit ViacomCBS hat man dort SkyShowtime gegründet, einen Streamingservice, der Peacock und Paramount+ kombiniert. Statt zwei Anbieter brauchen die Menschen dort nur einen abonnieren.


Freut ihr euch schon auf Peacock? Lasst es uns wissen!

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Published by
Robert Krüger