Dessau liegt zwei Zugstunden von Berlin entfernt. Hier entstand 1926 nach Entwürfen von Walter Gropius die Hochschule für Gestaltung, das Bauhaus. Gegründet wurde es 1919 in Weimar in einem bereits existierenden öffentlichen Gebäude. Aus politischen Gründen – Druck vonseiten der örtlichen Rechten – wurde es aber 1925 nach Dessau verlegt, wo der Stadtrat Gropius Mittel für die Errichtung des neuen Bauhaus-Komplexes zur Verfügung stellte. Das eigenartige Gebäude mit seinen geradwinkligen Glasfassaden und seinen Flachdächern sollte zu einem der markantesten Beispiele der Architektur des 20. Jahrhunderts werden. Ziel des Bauhauses war es, die Trennung von Kunst und Produktion durch eine Rückkehr zum Handwerk zu überwinden und unter Einbeziehung verschiedenster Disziplinen eine neue industrielle Formgebung zu schaffen. Da sich das von der Stadt zur Verfügung gestellte Gelände etwas außerhalb der Stadt befand, wurde der Bau nicht von vorhandenen städtischen Strukturen eingeengt. So konnte Gropius seine Schule bedarfsgerecht konzipieren und ihr die gewünschte Form geben. Er legte einen weitläufigen Campus an, auf dem sich bewusst asymmetrisch gestaltete Formen ineinander verschachteln: Die Architektur der Gebäude wird durch die jeweiligen Nutzungen für Werkstätten oder Verwaltung bedingt. Das Gebäude des Bauhauses ist ein veritables Manifest für eine Ästhetik der Transparenz: Alle Räume stehen miteinander in Verbindung, alles fördert die Bewegung, den Austausch und den Kontakt der Studenten mit den verschiedenen Räumen und Disziplinen. Schon 1926, ein Jahr nach Baubeginn, galt das Bauhaus, das Stadt, Fabrik und Schule zu einer Einheit verbindet, als Gropius’ Hauptwerk. Doch es wurde schnell zum Politikum und musste 1932, auf Betreiben der NSDAP -Mehrheit im Stadtrat von Dessau, nach Berlin umziehen, wo es letztendlich geschlossen wurde. Der Plan, das als Provokation empfundene Gebäude teilweise abzureißen, wurde schließlich fallengelass