Es war bereits vier Uhr morgens, als der laute, mehrtausendköpfige Tatzelwurm sich durch das Sambodromo von Rio de Janeiro bewegte. Die Sambaschule «Unidos da Tijuca» durfte als Vorjahres-Siegerin das Karnevalsfinale gestalten. Und sie bot ein überwältigendes Bild: eine eigenwillige, spektakuläre Interpretation des Schweizertums, eine Fusion von brasilianischer Ausgelassenheit und bodenständiger, helvetischer Tradition. Flankiert von ausladenden Wagenbauten, speienden Drachen, einer Schokoladenfabrik, eingehüllt in stiebenden Schnee tanzten Wilhelm Tell, Urner Teufel, Schweizergardisten, Banksafes, Bernhardinerhunde, Sackmesser und vieles mehr durch die Nacht, unerbittlich vorangetrieben durch eine hämmernde Perkussion. Besonders bizarr: ein Meer von Schweizerfahnen, geschwungen im Takt des Sambas. In der wogenden, bunten Menschenmenge wirkten sogar vier echte Schweizer Fahnenschwinger mit. Diese hatten zuvor in einem Crashkurs versucht, den Karnevalisten den richtigen Schwung beizubri